Initiative Wetten nur in den Toto
Juergen Langrock

Schneller simultaner Strukturwandel in fast allen Bereichen des Galopprennsports unbestritten– aber die konstruktive Diskussion zwischen den beteiligten Verbänden und deren Mitgliedern über die individuellen Ziele, Strategien und Wege zum Ziel fehlt noch!

Inhaltsverzeichnis

Einleitung
Beschreibung des aktuellen Zustands
Vergleich mit dem Ausland
Standort Deutschland
Notwendiger Strukturwandel in allen Bereichen:
Rennvereine
  
Abgestimmte Rennausschreibungen
   Vermarktung
   Finanzierung
Verbandsstruktur
 
Neuorganisation des Wettgeschäfts
   Vermarktung der Marke Galopprennen
Renn- und Zuchttechnische Koordination
     Finanzierung
     Abbau von Subventionstöpfen
     Zuchtfonds
Sicherung der Arbeitsplätze
Aussichten
Schluss
 

Einleitung

Die Notwendigkeit eines Strukturwandels in den Organisationsstrukturen des deutschen Galopprennsports ist mittlerweile geklärt, aber eine konstruktive Diskussion zwischen den Beteiligten Verbänden und deren Mitgliedern, also den Trägern des gesamten Sports, hat es immer noch nicht gegeben.

Im Juni 2006 wurde im Vorfeld der turnusmäßigen Vorstandsitzung ein 20 Punkte Fragenkatalog zum Thema Strukturwandel an den Vorstand des Direktoriums für Vollblutzucht und Rennen (DVR), dem Dachverband des deutschen Galopprennsports, vom Verband deutschen Besitzertrainer, einem aktiven Mitgliedsverband innerhalb des DVR, schriftlich gestellt. Bis zum heutigen Tage sind nur einzelne Aspekte beantwortet worden. Die Antworten lassen vieles offen. Der Verband der deutschen Besitzertrainer sowie der deutsche Amateurrennreiterverband sind zwar Mitgliedsverbände des DVR, sind aber von der Vorstandsarbeit per Satzung ausgeschlossen. Anträge einer Änderung diesbezüglich sind in den letzten Jahren von den Betroffenen mehrfach gestellt worden, jedoch mit dem Hinweis auf die kommenden zu erwartenden Änderungen abgeblockt worden, so dass es dazu kommt, dass über 400 Trainer mit einer so genannten Besitzertrainerlizenz und etwa 130 Amateurrennreiter durch ihre Verbände nicht zeitnah beteiligt werden können.

Wie soll es zu einer Meinungsbildung und aktiven Mitarbeit kommen, wenn hinter verschlossenen Türen und unter Ausschluss eines Großteils der Beteiligten an einem extern und kostenpflichtig zu erstellenden Strukturkonzept gearbeitet wird. In der Öffentlichkeit wird von beteiligter Seite sogar der Eindruck erweckt, dass über die Rahmen- und Eckpunkte der Strukturreform bereits seit Dezember 2005 Einvernehmen zwischen den Mitgliedsverbänden innerhalb des DVR herrscht.

In der letzten Vorstandsitzung des DVR wurde der Tagesordnungspunkt “Vorstellung der Ergebnisse der Strukturkommission” vertagt, da das beauftragte Unternehmen noch keine präsentablen Ergebnisse vorstellen konnte, da bis zu diesem Tag die Finanzierung und somit die aktive Arbeit an dem Konzept ja auch noch gar nicht beschlossen war.

Beschreibung des aktuellen Zustands

Auf der Suche nach den Gründen, warum es dem Galopprennsport in Deutschland so schlecht geht, fallen immer wieder die gleichen Stichworte:

  • Einbruch der Totalisatorwette, dadurch Einbrüche bei den Rennvereinen in der Finanzierung des Sports.
  • Verlagerung der Wettvermittlung durch die Buchmacher in Steuerparadiese, dadurch Wettbewerbsvorteile für die Vermittler durch geringere Kosten und höhere Erträge.
  • Fehlende landesweite Vermarktung der Marke Galopprennsport.
  • Fehlende Bereitschaft der Rennvereine zur Zusammenarbeit.
  • Fehlende Antwort auf die erfolgreichen Angebote der Buchmacher und Wettvermittler mit dem Ziel im Wettgeschäft Umsatzanteile zurück zu gewinnen bzw. den Umsatzeinbruch zu stoppen.
  • Falsche, schwerfällige Organisationsstrukturen auf Seiten der veranstaltenden Rennvereine.

Und die Folgen dieser Entwicklung sind drastisch an den Zahlen, die das DVR im Rahmen seines Jahresberichtes veröffentlicht, nach zu vollziehen. Die Zahl der Besitzer hat sich innerhalb von 10 Jahren um fast 40% reduziert, die Pferde im Training sind um fast 30% zurückgegangen, die Anzahl der Rennen hat sich ebenfalls um 40% reduziert, das Rennpreisvolumen ist zwischen 1995- und 2005 um 30% zurückgegangen. Das heute noch so viele Pferde in Deutschland trainiert werden, liegt an der überdurchschnittlichen Anzahl an Blacktyp- und Internationalen Vergleichsrennen im Verhältnis zu der Gesamtzahl der Rennen.

Mit einer Quote von fast 7% werden fast dreimal so viele Rennen der gehobenen Kategorie ausgetragen als irgendwo anders in Westeuropa, wenn nicht sogar im weltweiten Vergleich. Deutschland ist hier Spitzenreiter, weil der tragende Unterbau, die Basisrennen massiv weggebrochen sind.

Die Unterhaltskosten für Pferde, die in Deutschland im Training sind, verhalten sich bereits umgekehrt proportional zu den Gestehungskosten der so trainierten Pferde. Die Schere klafft für die Aktiven immer weiter auseinander. Weder mittelfristig noch langfristig wird es weiter möglich sein, dass der Galopprennsport, wie im Moment, zu einem beträchtlichen Teil auf dem Rücken der Arbeitnehmer betrieben wird. Kurzfristig wurde dies in den letzten Jahren aus der Not heraus so versucht und praktiziert, aber der Krug geht nur so lange zum Brunnen bis er bricht.

Vergleich mit dem Ausland  

Der Blick über die Grenzen zeigt ein sehr differenziertes Bild. In England haben sich die am Galopprennsport Beteiligten wie Buchmacher, Wettvermittler und Rennvereine auf ein Finanzierungsmodell geeinigt, dass dem Sport die notwendigen Mittel sichert. Irland hat es Mitte der 90er Jahre mit staatlicher Unterstützung geschafft seine Vollblutindustrie für den Wettbewerb fit zu machen. In Frankreich gibt es ein Wettmonopol und die Umsätze bewegen sich in Regionen, die für den deutschen Rennsport nie zu erreichen sein werden. In Italien wird auch durch intensive staatliche Unterstützung der Sport gestützt. Die Trainingsentgelte und Gewinnsummen sind in England, Irland, Frankreich und Italien im Vergleich zu Deutschland wesentlich höher. Dem vereinfachten Zugang zu den internationalen Galopprennen in diesen Ländern ist es zu verdanken, dass in den deutschen Trainingsquartieren noch so viele Rennpferde stehen, dass der Exodus nicht noch weiter fortgeschritten ist. Hier sind die Mechanismen der weltweiten Arbeitsteilung deutlich zu studieren. Im Billiglohnland Deutschland, und das ist Deutschland auf diesem Gebiet sicherlich, werden die Pferde vorbereitet, um sie dann im Ausland an den Ablauf zu bringen. Die erhöhten Transportkosten fallen für den Besitzer kaum ins Gewicht, werden sogar durch die niedrigen deutschen Trainingskosten mehr als kompensiert.

Standort Deutschland  

Der Standort Deutschland hat aber nicht nur Nachteile im internationalen Vergleich. Die stille, schleichende Inflation an Black-Typ-Rennen führt dazu, dass auf internationalen Auktionen und Märkten das „deutsche“ Rennpferd verstärkt angeboten und auch nachgefragt wird. Die Gesamtzahl der Rennen ist in den letzten 10 Jahren um fast 40% zurückgegangen, jedoch ist die Zahl der Black-Typ-Rennen fast konstant geblieben. Dieser für die internationale Zuchtwertschätzung wichtige Faktor wird exemplarisch von den außerordentlichen züchterischen Erfolgen der Gestüte Ammerland und Schlenderhan im Rennjahr 2005 belegt. Bei genauerem Hinsehen ist der deutsche Faktor in den genannten zwei Fällen eigentlich in der züchterischen Disposition und der Bereitschaft zum Zukauf ausländischer Mutterstuten zu sehen, denn sowohl die Mutter von Hurricane Run als auch von Shirocco haben englisch-amerikanische Wurzeln und befinden sich erst seit 1 bzw. 2 Pferdegeneration in Besitz eines deutschen Züchters und in Deutschland, in beiden Fällen somit von einer bodenständigen deutschen Zucht zu sprechen erscheint ein wenig verwegen. Der psychologische Effekt ist aber unbestritten, denn nichts ist so erfolgreich wie der Erfolg. Der Glanz strahlt halt auf die gesamte Population.

Notwendiger Strukturwandel in allen Bereichen 

Den größten Schritt nach vorne haben in diesem Jahr die aktiven Trainer und Jockeys mit ihrer Gewinnabtretung von 5% zugunsten des neu geschaffenen Strukturfonds gewagt, keine andere Gruppierung im Galopprennsport hat in gleicher Weise eine solche überdurchschnittliche Bereitschaft gezeigt. Es ist offensichtlich, dass die Aktiven ein vitales Interesse an einem Fortbestand ihrer Unternehmen und den damit verbundenen Arbeitsplätzen haben und dies vor dem Hintergrund, dass die Verdienstmöglichkeiten sich im deutschen Galopprennsport in den letzten 7 Jahren gerade im westeuropäischen Vergleich äußerst schlecht entwickelt haben, so wiegt der Verzicht umso schwerer.

Die Belastungs- und Schmerzgrenze für die Aktiven ist nunmehr für eine lange Zeit erreicht. Kosten können nicht mehr eingespart werden, noch mehr an den Personalkosten im Trainingsbereich zu sparen, verbittet der gesunde Menschenverstand. Wer Leistung erzielen will, kann dies nur durch motivierte Arbeitskräfte erreichen, ansonsten wird genau das Gegenteil erreicht.

Rennvereine  

In den letzten Jahren ist es zu dramatischen Verwerfungen im Bereich der Finanzierung der Rennpreise durch die Rennvereine gekommen, da letztendlich immer weniger Basisrennen für die Fixkostenrechnung, immer mehr Black-Typ-Rennen mit tragen mussten. Hier muss entweder ein Abschmelzen der besseren Rennen wieder zu einem gesunden Nebeneinander führen, oder aber, und dass scheint der sinnvollere Weg zu sein, für diese Art der Rennen müssen komplett neue Finanzierungsmodelle entwickelt werden.

    Abgestimmte Rennausschreibungen  

Ziel der Strukturreform für den Bereich Training ist es, dass dieser Bereich unter kaufmännisch, wirtschaftlichen Gesichtpunkten langfristig gesichert ist. Für den in Deutschland trainierten Vollblutbestand muss eine angemessene Zahl an Leistungsprüfungen auch tatsächlich über das Jahr verteilt durchgeführt werden, so dass in den einzelnen Leistungsklassen eine der den startenden Pferde adäquate Anzahl von Rennen gegenüber stehen. Dabei ist zu berücksichtigen, dass in den unteren Leistungsklassen die Deckungsbeiträge aus den Wettumsätzen für einen Rennverein i.d.R. beträchtlich höher sind, als dies in den Rennen der obersten Kategorien bis zum Agl. I der Fall ist. Die Finanzierung dieser Rennen muss deshalb zwingend aus anderen Geldmitteln und Quellen erfolgen als die der Basisrennen. Die Finanzierung der unterschiedlichen Kategorien muss für die aktiv Beteiligten transparent und nachvollziehbar sein. Es ist daran zu denken, dass durch finanzielle Anreize für Aktive und Besitzer die einzelnen Leistungsprüfungen in ihrer jeweiligen Kategorie für den veranstaltenden Rennverein ohne Verlust zu organisieren sind.

    Vermarktung  

Einer der kritischen Punkte bei der Neuausrichtung wird die regionale und vor allem überregionale Vermarktung des Rennsports sein. Der Gesamterfolg ist deshalb eng verbunden mit zu etablierender Vermarktungsstruktur, es kommt auf die Flexibilität und Schlagfertigkeit der Vermarktung an. Eine zentralistische Vermarktungsorganisation kann zwar die Groß-Ereignisse vermarkten, wird aber an der Vermarktung der Basis-Rennen scheitern, weil der regionale Akquisitionsaufwand die zu erzielenden Erträgen auffressen wird. Die Verwurzelung der Rennvereine in der Region ist ein Garant dafür, dass Sponsorship für Basis-Rennen erfolgreich ist. Dies bedeutet, dass regionale Strukturen, sprich die Rennvereine, weiterhin für die Akquisition vor Ort zuständig sein müssen. Eine solche Zweigleisigkeit birgt aber auch nicht unbeträchtliche Gefahren und Reibungsverluste, die die besten Ansätze zum Scheitern bringen können.

    Finanzierung  

Es gilt die Vorstände der Rennvereine davon zu überzeugen, dass eine Abgabe von Kompetenzen und Verantwortlichkeiten im Bereich der Vermarktung sich für den Verein im Einzelnen positiv auswirken wird. Es muss in Betracht gezogen werden, dass die Vereine aufgrund ihrer vertraglichen Verpflichtungen kaum oder im extremen Fall gar nicht in der Lage sein werden, diese Kompetenzen ohne massive finanzielle Kompensation abzugeben. Zwei so unterschiedliche Organisationsstrukturen verzahnt, erfolgreich in eine Richtung marschieren zu lassen wird hoch interessant.

Unter Federführung der Rennvereine wird die Aufgabe bei der Vermarktung der Basisrennen sein, die Auslastung der Rennbahnen und des Trainingsbetriebes sicher zu stellen, denn durch eine hohe Anzahl von Pferden im Training und im Rennen verteilen sich die Fixkosten des Rennbetriebes entsprechend.

Der Unterhalt der Infrastruktur, die die Rennvereine vorrätig halten für die Abhaltung von Renntagen, muss in der rennfreien Zeit so genutzt werden, dass das Areal und die Gebäude ihre Kosten wieder hereinspielen, durch Zweit- und Drittnutzung.

Verbandsstruktur  

Das DVR als rennsportliche Aufsicht kann nicht aufgelöst werden, denn dann würde die staatliche Unterstützung in Form der Rückerstattung der Rennwett- und Lotteriesteuer komplett entfallen und der wichtigste Refinanzierungsposten würde ersatzlos wegfallen. Eine rasche Änderung des entsprechenden Gesetzes in den nächsten Jahren ist eher unwahrscheinlich, denn die ersten Änderungsvorschläge lagen bereits 2001 auf dem Tisch und sind bis heute nicht umgesetzt worden. Im Rahmen der Sportwettendiskussion ist eher damit zu rechnen, dass es in Zukunft konzessionierte private Wettanbieter geben wird, an deren Erträgen der Staat erheblich partizipieren wird. Deshalb ist es wichtig den historischen Status des Galopprennsports als Leistungsprüfungen für die Pferdezucht beizubehalten, denn mit den zu erwartenden Abzügen im privaten Sportwettenbereich wird ein wirtschaftlicher Betrieb von Rennsportveranstaltungen im Basis-Bereich nicht zu realisieren ein.

    Neuorganisation des Wettgeschäfts  

Die Kosten und die Organisation des Wettgeschäfts müssen auf den Prüfstand, alle heute beteiligten Marktteilnehmer müssen an einem Tisch sich über eine für alle faire Verteilung der Kosten einigen. Ein gleichberechtigter und fairer Wettbewerb muss das Ziel sein.

    Vermarktung der Marke Galopprennen    

Die Schaffung einer eigenständigen Marke ist nicht von heute auf Morgen zu realisieren. Es gibt aber eine fast 200 jährige Tradition, die es erleichtern kann ein neues Image aufzubauen. So hatten die Leistungsprüfungen der obersten Kategorie immer einen beträchtlich höheren sportlichen Stellenwert als ein Basisrennen, und sollten für eine entsprechende mediale Aufmerksamkeit sorgen können.

Renn- und Zuchttechnische Koordination  

    Finanzierung  

Nur eine gesunde Mischung zwischen Black-Typ- und Basisrennen und eine entsprechende Kostendeckung bzw. Verteilung sichert den notwendigen Strukturwandel im Rennsport.

Denkbar wäre eine geringere Grunddotierung als heute, gekoppelt mit prozentualen Einnahmen aus der Sponsorship und den Erträgen aus den jeweiligen Wettumsätzen der jeweiligen Rennen. Dies ergibt dann die tatsächlich auszuzahlende Dotierung, eine Grunddotierung mit einem variablen Anteil. Ein solches Verfahren und eine Transparenz in Bezug auf Mittelherkunft und –verwendung können gewährleisten, dass der Rennsport in Zukunft solide finanziert wird.

    Abbau von Subventionstöpfen  

Alle Subventionstöpfe für Rennvereine zum Zwecke der Abhaltung von Rennen werden im Rahmen der Neustrukturierung ersatzlos gestrichen, denn sie dienen nicht der Transparenz und werden aufgrund der klaren Finanzierung nicht mehr benötigt. Ausnahme ist einzig der Zuchtfonds, der die Züchterprämie verwaltet.

    Zuchtfonds    

Ein renommierter international tätiger deutscher Züchter hat bereits vor einigen Wochen in einem Interview davon gesprochen, dass die deutsche Vollblutzucht der Zenit aus seiner Sicht bereits überschritten habe. Es gilt also die Anreize für eine erfolgreiche Vollblutzucht in Deutschland neu zu formulieren, dazu gehört eben eine breite Basis, denn nur aus der breiten Basis kann sich Qualität entwickeln, denn als Zuchtkonzept eignet sich das „Pinhooking“ nicht wirklich, denn Zucht ist immer eine über mehre Generationen zu betreibende Selektion.

Unter Berücksichtigung dieser Analyse sind die Exporterfolge der deutschen Zucht zu betrachten. Auf der Importseite ist die Sachlage aber differenzierter zu sehen, es besteht die Gefahr, dass mittelfristig die Qualität der deutschen Mutterstutenherde durch die hohe Anzahl an Exporten bereits gelitten hat. Es gilt hier schnell Anreize zu schaffen, die den Import von Mutterstuten durch den Züchterprämienfonds belohnen, in dem z.B. eine Bonuszahlung an die Top 10 Züchter gezahlt wird, deren Importstuten die besten Inländerprodukt des ersten Importjahrganges stellen. Die Züchterprämie sollte so umgestaltet werden, dass nicht pauschal ausschließlich quantitativ gestaffelt entlohnt wird, wie es heute der Fall ist, sondern vermehrt qualitative Zuchtziele in den Vordergrund gestellt werden. So könnten den Züchtern des besten Sprinter, Meiler oder Steher ein Bonus gezahlt werden, die besten Nachwuchszüchter erhalten einen Bonus. Die Möglichkeiten sind vielfältig und würden der Verbesserung der deutschen Zucht direkt zu gute kommen.

Eine Verteilung der Züchterprämie nach dem Alter der Pferde und eine eventuelle weitere Spreizung zwischen hohen Prozentpunkten für junge und niedrigen für alte Pferde ist kaum ein Anreiz für einen Züchter. Mehr Wettbewerb auch in diesem Bereich ist wünschenswert. So könnte man den Anspruch auf Züchterprämie an den ersten Sieg koppeln, oder in den großen Rennen die nicht mehr zeitgemäße Besitzerprämie direkt in Rennpreise oder Züchterprämien aufteilen. Die Züchterprämie darf nicht nur für die Aufrechterhaltung / Fortsetzung einer laufenden Zuchtaktivität gezahlt werden, sondern soll tatsächlich für den Erfolg eines lebenden Zuchtpferdes gezahlt werden, unabhängig ob der Züchter noch aktiv ist oder nicht. Sollte der ehemalige Züchter die jeweilige Mutterstute verkauft haben, so könnte der Prämienanspruch auf den neuen Halter der Stute übertragen werden, dies würde den Wert von Mutterstuten erhöhen.

Es wäre denkbar, dass die Züchterprämie unter bestimmten Voraussetzungen nicht direkt an einen Rennpreis gekoppelt ist, sondern an ein Gesamtergebnis: z. B. an die 50 % besten Pferde eines Jahrgangs und dann nach GAG- oder GAG-Reihenfolge (Plätze 1-10, 11-20, 21-50, 51-100 etc.), dieses Prinzip könnte man auch auf die Erfolge von Mutterstuten übertragen (und evtl. nach Import- und heimischen Stuten differenzieren, wenn gewünscht, weil züchterisch sinnvoll).

 

Bei den ganzen Verteilungsregeln ist natürlich zu prüfen, über welche Finanzmasse man tatsächlich verfügen kann und ob eine Differenzierung auch verwaltungstechnisch realisierbar ist.

Sicherung der Arbeitsplätze    

Wenn es darüber hinaus in Zukunft gelingt mit einer genügend großen Anzahl an kostendeckenden Basisrennen, die in den letzten Jahren verlorenen Besitzer wieder zu reaktivieren vermag der Rennsport sich im unteren Segment selbst zu finanzieren. Diese Art der Selbstfinanzierung sichert Arbeitsplätze im Trainingsbereich und natürlich den Bestand der einzelnen Rennbahnen.

Aussichten    

Es muss das erste wichtige Teilziel der Strukturreform sein, die heute originären Finanzierungsquellen der Rennvereine zu stabilisieren und den seit Jahren fortwährenden Umsatzabsturz zu stoppen, erst dann kann ein Umbau des System realisiert werden. Es gilt neue Quellen der Finanzierung zu erschließen. Die Fokussierung der Rennvereine in der Vergangenheit auf den Wettumsatz muss abgelöst werden, durch eine solide Drei-Säulen-Finanzierung:

 

Erträge
aus dem
Wettgeschäft

Mediale Vermarktung
Sponsoring

Vermarktung der
Gesamtanlage,
Hospitality

 

             dem steht die Mittelverwendung gegenüber:

 

Finanzierung
des
Basisrennsports

Finanzierung
der
Black-Typ-Rennen

Deckung der Fixkosten
in der
rennfreien Zeit

Deckung
der
Fixkosten des Rennbetriebs

 

Deckung der Kosten des Trainingsbetriebs

Investitionen in die Marke Galopprennsport
PR und Werbung

 

 

Finanzierung
des
Züchterprämienfonds

 

Finanzierung der Rennsportverwaltung

 

 
Schluss  

In einer offenen und ehrlichen Diskussion im Prozess der Selbstfindung werden alle Beteiligten dran interessiert sein, die selbst aktiv beeinflussbaren Parameter entsprechend zu steuern, dies kommt dem gesamten Sport zu gute. Es gilt eine konstruktive Diskussion über die verschiedenen Aspekte zu führen, ohne einzelne Auszugrenzen oder gegen diese vor vollendete Tatsachen zu stellen.