Initiative Wetten nur in den Toto
Juergen Langrock

Öffentliche Lobbyarbeit des Direktorium für Vollblut- zucht und Rennen und seiner Mitgliedsverbände nicht wahrnehmbar.

Von einer öffentlichen Lobbyarbeit des Direktoriums für Vollblutzucht und Rennen , sowie seinen Spitzenmitgliedsverbänden ist in der öffentlichen Diskussion um die Zukunft der Sportwette nichts zu lesen geschweige denn zu hören, dabei wäre eine aktive Arbeit dringender den je notwendig, den hinter den Kulissen in Berlin und in den Landeshauptstädten ist bereits die nächste entscheidende Runde im Poker um den Sportwettenmarkt eingeläutet worden. Auf der Konferenz der Ministerpräsidenten der Länder am 30. März 2006 ist die Entscheidung gefallen, durch eine Kommission (Vertreter der Länder Bayern, Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen und Berlin) die Zulassung privater Wettanbieter zu prüfen. Die Spitzensportverbände DFB (Dt. Fußball Bund), DFL (Dt. Fußball Liga) und DSB (Dt. Sport Bund) sind sehr aktiv als Lobbyisten für die privaten Sportwettenbetreiber aktiv, dies geschieht aus purem Eigennutz. Denn die über 500 Millionen die der Sport aus den Geldern der Oddset-Wette in der Vergangenheit bekommen hat sind für alle Beteiligten Ansporn genug sich von dem zu erwartenden Kuchen ein noch größeres Stück zu sichern. Für den Pferdrennsport wäre es überlebenswichtig sich einen direkten Zugang, zu seinen Bedingungen, zum legalisierten Markt zu verschaffen und darauf zu dringen, dass alle Sportwettenbetreiber und Lotto-Annahmestellen auch die Pferdewette mit ins Standardprogramm aufzunehmen haben. Durch diese Koppelung würden tausende von Wettannahmestellen bundesweit die Basis bilden, um die Sanierung der Pferdewette zu realisieren. Der Fachverband könnte sich auf die Akzeptanz der Pferdewette und deren Vermarktung konzentrieren, der Aufbau des Vertriebnetzes würde sich auf die Schaffung von Schnittstellen zum Toto beschränken. Eine historische Chance, die es gilt zu ergreifen, solange die Eisen so heiß sind wie im Moment.


Bis zum 22. Juni des Jahres soll die Länderarbeitsgruppe Vorschläge für die Ausgestaltung des Sportwettenmarktes erarbeiten und der dann tagenden Ministerpräsidentenkonferenz als Empfehlung vorstellen. Die Verfassungsrichter haben die Politik einen konkreten Gestaltungsrahmen mit ihrem Urteil vorgeben. Vordergründung erwecken die Politiker in den Ländern momentan den Eindruck, dass sie unter dem Deckmantel der Spielsucht Prävention durch hartes Durchgreifen gewillt sind rigoros gegen die private Konkurrenz vorzugehen, und bewusst auf Einnahmen in Milliarden-Höhe verzichten wollen, dies ist nur Sand in den Augen der Öffentlichkeit. Es geht darum die Rahmenbedingungen stark zugunsten der staatlichen Unternehmen des deutschen Lottoblocks entscheidend zu beeinflussen. Die Leistungsprüfungen der Pferdesportverbände sollten in das Verhandlungspaket integriert werden. Durch die momentan gezeigte Härte gegen den Sportwettenmarkt wird es zu hohen Konzessions-Abgaben für den Staat durch die privaten Sportwettenvermittler kommen. Einnahmen die die Landeshaushalte gut gebrauchen können. Wer sich die Erträge und die Mittelverwendung der Oddset-Einnahmen genau anschaut weis, dass einmal erschlossene Einnahmenquelle nicht auf dem Altar der Spielsucht geopfert werden. Vielmehr wird es dazu kommen das unter staatlicher Aufsicht private Anbieter zugelassen werden, den es scheint höchst unwahrscheinlich das der Vertrieb und die Werbetätigkeiten des staatlichen Anbieters Oddset langfristig gegen Null gefahren wird. Die derzeit diskutierten Werbebeschränkungen bei Oddset sind das Feigenblatt, um den Poker um die Ausgestaltung der Rahmenbedingungen neu zu regeln. Das Direktorium für Vollblutzucht und Rennen sowie seine Mitgliedsverbände sind gefordert sich der Phalanx von DFB, DFL und DSB anzuschließen. Eine Arbeitspapier der Sportverbände für die Arbeitsgruppe der Länder sieht nach Informationen der Süddeutschen Zeitung vor, künftig gemäß genau fest gelegter Kriterien Konzessionen an private Wettbetreiber zu vergeben sind Alle Veranstalter von Sportwetten müssten im Gegenzug Steuern und Abgaben für gemeinnützige Zwecke, wie beispielsweise den Bereich Sportförderung, abtreten. So möchten die Sportverbände sicherstellen, dass trotz einer Liberalisierung des Sportwettenmarktes Mittel für die Sportförderung erhalten bleiben. Da ist es mehr als gerechtfertigt, dass sich der Pferderennsport der Forderung anschließt, denn derzeit erhält der deutsche Sport rund 500 Millionen Euro aus dem Lottoblock Einnahmen.

Geschickt betonte DFB-Chef Theo Zwanziger, dass nach dem Urteil aus Karlsruhe alles für eine Zulassung privater Wettanbieter spreche. Andernfalls würden auf Grund der sonst erforderlichen Wettbewerbsbeschränkungen für Oddset die Erlöse der staatlichen Sportwette sinken und auch die Sportförderung negativ beeinflusst werden. Gleichzeitig würden ausländische Wettanbieter via Internet die Gelder aus dem deutschen Wettmarkt generieren.
 

Der Pferderennsport hat eine historische Chance, wie sie seit Einführung des Zahlenlottos und dem Verlust des Wettmonopols in den 50er Jahren nicht mehr bestanden hat. Es bleibt zu wünschen, dass die Chance erkannt und umgesetzt wird.

Jürgen Langrock
06.04.2006