Initiative Wetten nur in den Toto
Juergen Langrock

50 Jahre
Wahl zum Galopper des Jahres

Was vor einem halben Jahrhundert im Ersten Deutschen Fernsehen mit der Wahl der Stute Thila so hoffnungsvoll für den Galopprennsport begonnen hat, hat in diesen Tagen der 50.ten Wiederholung mit der Wahl von Prince Flori einen würdigen Titelträger 2006 gefunden.
Ein Champion der Herzen, vom kleinen Nobody zum uneingeschränkten Titelträger, eine Pferde-Vita aus der Publikums-Helden gemacht sein müssen. Ein paar zehntausend Anrufer haben letztendlich die Wahl zugunsten von Prince Flori entschieden.

Der Sendeplatz und die Zuschauerresonanz des Jahres 2007 spiegeln das mediale Dilemma des Galopp- rennsportes vollumfänglich wieder.
Eine Einschaltquote bei der jeder Fernsehmacher in die Knie gehen muss. Es ist mehr als verständlich, dass die Publikumswahl aus der ersten Reihe der ARD auf eine Hinterbank bei einer Regionalanstalt gerutscht ist.
Es ist vielmehr den WDR-Machern von Sport im Westen hoch anzurechnen, dass die Wahl überhaupt noch ein Fernseh-Event ist.
In der Print-Presse war es bundesweit schon ein Nicht-Ereignis.

Es gibt laut seriöser Marktforschung 11 Millionen Menschen in Deutschland, die nachweislich ein latentes Interesse am Pferdesport haben, aber eben an dem Pferdesport, der auch mediengerecht aufbereitet wird, um somit dem Zuschauer auch die Gelegenheit verschafft sich mit dem dargebotenen Sport zu identifizieren. Die deutsche Reiterei ist weltweit der erfolgreichste sportliche Botschafter den das Land hat, in keiner anderen Sportart, auch nicht im Fußball ist Deutschland in den letzten 50 Jahren so erfolgreich. Dies gilt aber leider nicht für alle Fakultäten der Reiterei, einige haben es geschafft sich systematisch aus dem öffentlichen Bewusstsein zu verabschieden.

Es scheint so, als sei den Machern des Galopprennsports das kleine Einmaleins der Öffentlichkeitsarbeit entfallen. Entscheidend für eine Medienpräsenz ist eine entsprechende kontinuierliche Medienarbeit, die wurde in der Vergangenheit, zuletzt im Rahmen einer großen Analyse 1985 und auch später auch noch in der ein oder anderen Stellungsnahme und Analyse eingefordert, aber nachhaltig passiert ist all die Jahrzehnte nichts.

In der Vergangenheit wurde in den Entscheidungs-Etagen des Galopprennsports kontinuierlich und zielsicher daran gearbeitet den Kontakt zum zahlenden Zuschauer Live auf der Bahn und in nochstärkerem Maße, die Kontakte zu den Medien (Print und TV) und damit die indirekten Kontakte zu den potentiellen Kunden auf eine harte Geduldsprobe zustellen. Die Arbeit wurde immer spärlicher, was sicherlich nicht absichtlich geschah. Es gab zwar vereinzelt immer wieder den ein oder anderen letztendlich kläglich gescheiterten Versuch mit den TV-Medien etwas für den Sport der schnellen Pferde auf die Beine zu stellen, aber die Liste der Formate und Sender ist mittlerweile so lang, dass sich kein TV-Macher mehr an dem Thema die Finger verbrennen will.

 

Ein Beispiel für den Niedergang der Öffentlichkeitsarbeit ist die Wahl des Galopper des Jahres. Es wäre zu wünschen gewesen, das es dem deutschen Galopprennsport gelungen wäre dieses in der Fernsehgeschichte einmalige Ereignis auch gebührend zu zelebrieren. Nicht einmal ein Buch zur 50 jährigen Geschichte der Wahl ist auf den Markt gekommen. Ein weiteres untrügliches Spiegelbild über den Marktwert des Sports.

Die Medienmacher des Sports scheinen zu allen Zeiten mit wichtigeren Dingen beschäftigt zu sein, als einer positiven Selbstdarstellung, oder geht es ihnen Wirklichkeit tatsächlich um etwas ganz anderes?

Vielleicht wird und wurde den Machern unrecht getan und sie brauchen diese Form der Öffentlichkeitsarbeit überhaupt nicht. Ein solche Vermutung liegt nahe, denn wie mit dem diesbezüglichen Tafelsilber verfahren wird und wurde lässt auch diesen Schluss durchaus plausibel erscheinen. Es gibt die Signale, dass diese älteste Publikumswahl im TV alle Jahre wieder eine ungewünschte, lästige Pflichtübung darstellt. Ein von vielen Chancen für den deutschen Galopprennsport wurde vertan, aber es wird den Sport nicht in seiner Feste erschüttern.

30.Januar 2007 Jürgen Richard Langrock