Initiative Wetten nur in den Toto
Juergen Langrock

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Denkbar knappes Fotofinish mit 26:25 Stimmen geht es für den Neuss Rennverein weiter.

Neuss (www.galopp-sport.eu) Da dürfte dem Geschäftsführer des Neusser Reiter- und Rennvereins Dr. Bernd Koenemann ein gewaltiger Rheinkies-Findling von der Seele gefallen sein. Der Rat der Stadt Neuss hat am Freitag den 23. März 2007, nach ausführlicher Debatte, grünes Licht für eine „kleine Lösung“ gegeben. Unter Tagesordnungspunkt 38 hatten die Ratsherren und Damen über den Fortbestand des Galopprennsports in Neuss zu befinden. Mit einem Fotofinish und der Schützenhilfe der FDP Fraktion konnte der CDU Fraktionsvorsitzender Koenemann beruhigt feststellen, dass seine hauptberufliche Tätigkeit beim betroffenen Rennverein nun doch in die nächste Runde geht. In einer von gewissen klassenkämpferischen Untertönen geprägten Diskussion konnte mit den Stimmen von CDU und FDP die Variante „B plus“ verabschiedet werden. Kein großer Umbau und keine Mehrzweckhalle, stattdessen Abriss und Neubau von Zuschauertribüne, Wetthalle und Vereinsgeschäftsräumen.

Klassenkämpferisch wurde es, als Roland Sperling von der Unabhängige/Linkspartei von einem einseitigen Millionen-Geschenk an den Neusser Reiter- und Rennverein sprach, aus Sicht seiner Fraktion sind alle Maßnahmen, die für eine nachhaltige Aufwertung des Geländes gesprochen hätten mangels Masse vom Tisch und somit wäre das Projekt auch kein Gewinn für die Neusser Bürger und Bürgerinnen.

Der Chef der Bündnis/Grünen Michael Klinkicht hat sich ins einer Stellungnahme für den Erhalt des Rennvereins ausgesprochen, sah aber die Notwendigkeit dem Rennverein ins Stammbuch zu schreiben, dass dieses Wohlwollen aber nicht bedeutet, dass die Stadt Neuss bis zum St. Nimmerleinstag finanzielle Unterstützung gewähren würde.
Von Seiten der SPD-Fraktion sagte der planungspolitischer Sprecher Peter Ott, dass die Fraktion als einzige im Rat ein eigenes Gestaltungskonzept für die Rennbahn entwickelt habe, aus diesem Grunde könne die Fraktion der vorliegenden Beschlussvorlage auch nicht zustimmen, da die Lösung insgesamt nicht zu verantworten sei. Heinz London ebenfalls SPD sprach von „Klientel-Politik“ zugunsten des Rennvereins. Gleicher Tenor auch von Bernhard Pickert-Goldenbogen (Unabhängige/Linkspartei) der alles als unseriös einstufte, schließlich will man nach den Plänen der großen Lösung Gelände verkaufen, um damit dass minimal Konzept umzusetzen.
In der kontroversen Aussprache widersprach der CDU-Planungsausschussvorsitzender Karl Heinz Baum, die Fraktion habe das ursprüngliche Projektmodell begraben, es ist in absehbarere Zeit nicht zu finanzieren. Die FDP sprang der CDU zur Seite und verwies auf die angespannte Haushaltslage, da sei eine große Lösung einfach nicht zu finanzieren.

Insgeheim möchte die CDU-Fraktion die große Lösung allerdings noch nicht sofort begraben, sondern hofft, dass das ursprüngliche Konzept „Galopp sucht mehr“ nebst Mehrzweckhalle doch noch zu finanzieren sei, wenn die erhofften Verkaufserlöse diesen Spielraum ergeben würden.

Die Abstimmung war spannend wie ein gutes Pferdrennen und mit „Nase“ wurde der CDU Antrag letztendlich angenommen.

Jetzt gilt es die Pläne so schnell wie möglich umzusetzen, so daß der Rennbetrieb vielleicht schon im kommenden Winter wieder aufgenommen werden kann.

Für den gebeutelten Galopprennsport eine positive Nachricht, hätte doch im Extermfall, die einzige Allwetterbahn im Rheinland geschlossen werden müssen.

Einen kleinen Wermutstropfen auf Seiten des Rennvereins gibt es allerdings doch, denn die zunächst favorisierte „Große Lösung“ ist nun wohl endgültig begraben, die Stadt Neuss verabschiedete sich auf jahre nach zähem Ringen von dem großen Sport- und Freizeitpark auf dem Gelände der Galopprennbahn.

Was bedeutet der Beschluss konkret: Es wird eine Untertunnelung des Geläufs geben, um den bisher „schlecht“ zu nutzenden Innenbereich besser zu nutzen. Die projektierten Kosten für die verabschiedete Lösung belaufen sich auf geschätzte Gesamtkosten von 6,1 Millionen Euro. Um dieses Volumen finanzieren zu können soll im südlichen Bereich des Rennbahnareals Grund verkauft werden, uneins waren sich die Ratvertreter darüber, ob die Grundstücke tasächlich eine ausreichende Werthaltigkeit besitzen, und ob die übergeordnete Rahmenplanung nicht weite Bereiche unbebaubar udn damit wirtschaftlich wertlos macht, eine kleine Unsicherheit in der Finanzierung wäre da durchaus möglich. Im Moment wird allerdings davon ausgegangen, dass nach den Verkäufen und den getätigten Investitionen doch rund 1,1 Mio. Euro für die Stadtkasse übrig bleiben. Diese prognostizierte Summe veranlasste die Bündnis/Grüne-Fraktion zu dem Antrag, im Innenraum eine Bierwirtschaft nebst See und Spazierwegen anzulegen.

Auf die ortsansässigen Trainer wird im Laufe der Bauphase einiges zu kommen, Bereiche die heute als Koppeln genutzt werden sollen dauerhaft weg fallen, die Untertunnelung der Trainings- und Rennbahn wird zu längeren Störungen im Trainingsbetrieb führen und ein erschlossener Innenbereich wird dauerhaft auch zu Veränderungen des Trainingsablaufes führen.
 

Vielleicht müssen die Quartiere während der Bauphase zumindest für die Zeit der Untertunnelung auf andere Standorte ausweichen, aber durch die guten Beziehungen von Dr. Koenemann auf den Düsseldorfer Grafenberg, sollte dies eine lösbare Aufgabe sein.

Für ein funktionierendes Gesamtkonzept der Galopprennbahn Neuss ist es genauso wichtig, dass jetzt auch die bekannten Schwachstellen im Trainings- und Rennbetrieb, wie Stallanlagen, sanitäre- und soziale Einrichtungen, an Renntagen, im Boxendorf in Angriff genommen werden.

Im besonderen Maße muss eine erhebliche Verbesserung des Geläufs geplant werden.

Insgesamt ist es mehr als positiv, dass eine Entscheidung für den Erhalt der Rennbahn an der Hammerlandstrasse durch die Stadt Neuss nunmehr erfolgt ist. Es bleibt zu hoffen, dass der Galopp in Neuss nunmehr das findet was er gesucht hat.

Jürgen Langrock www.galopp-sport.eu 23.März 2007

 

Ist das Rennwettgesetz nicht längst überholt ?

Der Deutsche Buchmacher Verband erklären in einer Pressemitteilung vom 22.März 2007, daß anlässlich einer Tagung, auf Einladung der CDU-Fraktion Schleswig-Holstein, im Rahmen eines Experten-Workshop am 8. Januar 2007 in Kiel zahlreiche Vertreter von Verbänden, Wettunternehmen, Lotterievermittlern, staatlichen Lotteriegesellschaften sowie DFB und Medien über die Zukunft von Sportwetten und Lotterien in Deutschland diskutiert haben. Von Seiten des Pferdesports hat an der Tagung kein offizieller Vertreter teilgenommen.

Der Pferderennsport scheint die Maxime ausgegeben zu haben, ducken und abtauchen, dann wird die Frage schon an uns vorbei gehen. Die große Koalition von Buchmachern, staatlichen Lottogesellschaften, Sportverbänden, Fernsehanstalten, sind dabei den Markt für staatliche kontrollierte Sportwetten, Lotterien und Glücksspiele zu verteilen, aber wohl endgültig ohne Beteiligung des Pferderennsports, anders ist die Passivität nicht zu erklären, die zu beobachten ist.Scheinbar wird ein modernes Rennwettgesetz nicht mehr benötigt.

Eine Stellungnahme von Verbandsseite ist nicht zu bekommen. Weder der neue Geschäftsführer des Direktoriums für Vollblutzucht und Rennen e.V. Engelbert Halm, noch sein Präsident äußern sich zu dem Thema öffentlich.

Dabei hätte der Rennsport mit Know-how und Tradition in dieser Gesellschaft eigentlich ein gehöriges Wort mitzusprechen. Eine mehr als 140 jährige Erfahrung mit dem Totalisatorwettgeschäft, mit den dunklen Seiten des Geschäfts und natürlich mit der Zusammenarbeit, mit den staatlich konzessionierten Buchmachern und wie weit es her ist mit der durch die Buchmacherverbände so angepriesene Verlässlichkeit. Die Vertreter des Rennsports könnte berichten, wie eine ganze Branche, mittels Internettechnologie, den Sport der Könige an den Rand des Abgrunds geführt hat.

Könnte berichten wie sich das legale Geschäft innerhalb einer Dekade gedrittelt hat und wie es weiter stetig bergab geht. Aber nichts dringt an die Ohren der Öffentlichkeit, der Pferdesport war und ist der Sport der Könige und klagen ist wohl nicht standesgemäß. Aber vielleicht hat man auch nur blanke Angst, dass wenn man das ganze Dilemma öffentlich bekennt, es aus ist mit der Selbstverwaltung mit den neuen Konzepten, das man die noch geltenden Privilegien radikal gestrichen bekommt und nicht einmal mehr die Rennwettsteuererstattung einen Deckungsbeitrag liefert. Ein Szenario was das Schweigen erklären würde.

In den Chefetagen des Rennsports, setzt sich hoffentlich langsam die Erkenntnis durch, dass eine dauerhafte Genesung, nur als Partner der stattlichen Lotteriegesellschaften Erfolg verspricht. Nur wenn es zu einem staatlich organisierten, kontrollierten drei Säulen Konzept kommt:

Sportwette, Lotterie & Glückspiel sowie Pferdewette,

wird es auch mit dem Pferderennsport wieder auswärts gehen können. Dazu ist es wichtig, allen Verantwortlichen und Entscheidern in der Politik eindringlich die Probleme des Rennsports plastisch, verständlich zu machen und die  Zusammenarbeit mit konzessionierten Buchmachern verstärkt zu thematisieren. Insbesondere müssen die Schlupflöcher und die Verlagerung des Wettgeschäfts ins EU-Ausland unterbunden werden, aber dazu ist es notwendig öffentlich mit seinen Problemen udn Anliegen wahrgenommen zu werden.

Jürgen Langrock 22.März 2007

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Ratsbeschluss über den Fortbestand
der Galopprennbahn Neuss
wird am 23. März 2007 erwartet.

Am Freitag sollen 58 Ratsmitglieder über den Fortbestand der Galopprennbahn Neuss entscheiden. Diese Entscheidung wird Dr. Bernd Koenemann, Fraktionsgeschäftsführer der Neusser CDU-Mehrheitsfraktion, wohl am stärksten berühren, muss er sich doch bei der Abstimmung enthalten, um das Überleben seines Arbeitgebers zu sicheren, schließlich ist er im Hauptberuf Geschäftsführer sowohl der Neusser Galopprennbahn als auch der auf der anderen Rheinseite gelegenen Düsseldorfer Galopprennbahn Grafenberg.

Die Entscheidung, scheint schon zu Gunsten einer “kleinen Neusser Lösung”  gefallen zu sein, schließlich hat die CDU Ratsfraktion erwartungsgemäß in einer internen Abstimmung schon für das Projekt gestimmt. Bei den Mehrheitsverhältnissen in Neuss, die CDU hat 31 Sitze, die SPD 15, Bündnis90/Die Grünen 5 Sitze, FDP und Unabhängige/Linkspartei je 3 Sitze und 1 Parteiloser.
Die Absolute Mehrheit im Rat beträgt 29 Stimmen, dadurch das Koenemann sich der Stimme enthalten muss, schrumpft die Mehrheit auf eine Stimme, da darf dann nichts Unerwartetes passieren oder die Mehrheit könnte dahin schmelzen. Sicher kann sich der Rennsport erst sein, wenn die Abstimmung gelaufen ist.

Die SPD-Fraktion im Rat hat bereits im August 2006 ein Thesenpapier erstellt, darin heißt es: „Der Fortbestand der Galopprennbahn ist für die SPD-Fraktion für die weitere Entwicklung jedoch keineswegs zwingend. Im Gegenteil: Eine Entwicklung des Areals ohne die nur an 13 Tagen im Jahr genutzte Pferderennbahn bietet ganz neue Perspektiven. Der Neusser Reiter- und Rennverein hat daher den Nachweis dafür zu erbringen, dass er auch ohne Subventionen der Stadt Neuss hochkarätige Rennveranstaltungen durchführen kann und deren Durchführung für die Zukunft gesichert sind.“ und hier hat die SPD die ganze Hand auf die offene Wunde gelegt, die bereits seit nunmehr einem Jahr angekündigte umfassende Strukturreform für den gesamten deutschen Galopprennsport, ist immer noch nicht greifbar. Kein Rennverein in Deutschland hat eine gesicherte Planungsgrundlage, die über das laufende Jahr hinausgeht.

Bei der nunmehr avisierten kleinen Lösung in Neuss, handelt es sich im wesentlichen um den Bereich der Besucher, hier soll die Abrissbirne ganze Arbeit leisten und die hoffnungslos veralteten Gebäude entsorgen, geplant ist es einen neuen Tribünen-, Verwaltungs- und Gastronomiebereich zu schaffen.
Die dringendsten, Projekte auf dem Areal werden, somit außen vor gelassen. Das Geläuf der Allwetterbahn Neuss, hat sich überlebt, eine moderne Glasfiberbahn würde, mindestens 500.000 Euro kosten, der Grasbahnkurs liegt brach, verursacht Kosten und wurde im vergangenen Jahr für eine handvoll Rennen genutzt, hier fehlt ein schlüssiges Konzept, ob, wie und wann der Rennverein Grasbahnrennen veranstaltet.
 

In diesem Zusammenhang hat die SPD-Fraktion, für den ungenutzten und wenig gepflegten Innenraum der Bahn vorgeschlagen, das Areal ganzjährig als Fest-, Kirmes- und Veranstaltungsplatz zu nutzen, durch eine Tunnellösung ließe sich eine Anbindung herstellen.
Sicher aus der Sicht der Kommunalvertreter eine sinnvolle Nutzung, dies würde aber bedeuten das der Trainingsstandort Neuss, in Frage gestellt wird. Das Training von sensiblen Vollblütern, würde auf eine empfindliche Bewährungsprobe gestellt, wenn sich die SPD in diesem Punkt durchsetzen könnte.
 

Eine Frage, die in diesem Zusammenhang zu stellen wäre, ist es nicht sinnvoll, unter wirtschaftlichen und kommunalpolitischen Gesichtspunkten, den gesamten Trainingsbetrieb von der Rennbahn zu verlagern, positive Beispiele gibt es sogar in Deutschland. So hat der Bremer Rennverein mit der Trainingsanstalt Mahndorf genau diesen Schritt vollzogen. Ergebnis, das Areal der Galopprennbahn Bremen kann ganzjährig ohne Rücksicht auf den Trainingsbetrieb vermarktet werden, die Einnahmen haben sich spürbar verbessert und sichern damit auch den Fortbestand der Pferderennen in der Hansestadt.

Die in Neuss trainierten Pferde würden der Politik sicherlich dankbar sein, wenn Sie auf eine moderne, den neuesten Erkenntnissen gerecht werdende Anlage umziehen dürften, der Investitionsaufwand und die Sanierung der verschiedenen Trainingsanlagen wurde in den Vergangenheit schließlich unter Berücksichtigung der anstehenden Abstimmung immer wieder verschoben und in der “kleinen Lösung der CDU” ist von einer Sanierung des Trainingszentrum nicht mehr die Rede.

Der Fraktionsvorsitzende der Neusser SPD Reiner Breuer , hat es so formuliert: „In Abwandlung des Slogans – „Galopp sucht mehr…“ kommt es mir so vor, als findet Galopp nichts mehr“. Es wäre schade, wenn es dazu kommen würde. Die Sanierung der gesamten Anlage ist für einen Fortbestand des Galopprennsports im Rheinland von entscheidender Bedeutung, denn schließlich ist Neuss hier die einzige Allwetterbahn.

Jürgen Langrock 20. März 2007

 

Rennsport Konzept 2007 – Wie sieht es aus ?

Mit Beginn der Grasbahnsaison 2007 ist die Lösung der strukturellen Probleme im deutschen Rennsport immer noch mehr als verschwommen und kaum greifbar. Ein Interview mit Engelbert Halm, seines Zeichen geschäftsführendes Vorstandsmitglied des Direktoriums für Vollblutzucht und Rennen e.V. mit Sitz in Köln, in der Welt vom 17. März 2007 hat auch wenig zur Erhellung der laufenden Planungen beitragen können. So sagte Halm zwar „Wir haben derzeit einen sehr gut vorbereiteten Grobrahmen vorliegen und natürlich massiven Umsetzungsdruck",

     (Details aktuelle Struktur des Direktorium für Vollblutzucht und Rennen e.V. unter:
                                    
http://www.wett-annahme.de/html/direktorium.html ).

Wie sich die Beteiligten und die Öffentlichkeit die Reform, die nach englischem Vorbild unter dem Arbeitstitel "Jockey-Club" firmiert, im Detail vorstellen könnten, steht aber immer noch nicht fest und kann somit auch nicht kommuniziert werden.

Es stellt sich die Frage ob die Jahrhundertaufgabe, der sich Halm zum 1. Januar 2008 verpflichtet hat, überhaupt noch fristgerecht realisiert werden kann. Diesbezüglich führte Halm gegenüber der Welt aus; „Was wir heute an Lizenzen und Rechten haben, müssen wir in eine Hand legen, und deutschlandweit Sponsoren akquirieren. Schließlich brauchen die Vereine dringend Geld, um den Rennbetrieb in Gang halten und in ihre Anlagen investieren zu können“
Hier gilt es die Quadratur des Kreises unbemerkt zu realisieren, da ja nach aktueller Satzung des Direktoriums, es ein wesentliches Ziel, der gemeinnützigen Aufsichtsbehörde ist, die Autonomie der Rennvereine zu wahren. Wenn aber Gespräche mit den Präsidien der Rennvereine bis zum heutigen Datum noch nicht geführt werden konnten, wann wird die Strukturkommsion die Präsidien ins Boot holen, oder ist man zu sehr mit dem nofallmässigen Wasserschöpfen befasst?

Mit Beginn der Grünen-Saison, die gestern in Mühlheim mit einem Umsatz von 154.000 Euro gestartet war, und heute durch die knapp 218.500 Euro den zweiten Kampftag abgeschlossen hat, stehen die aktuellen Zeichen weiter auf massivste Orkanböen. Im Vorjahr waren an den ersten zwei Grasbahntagen noch insgesamt 437.500 Euro durch die Kassen der Rennvereine geflossen, dies entspricht einem 15% Umsatzrückgang in 2007, wenn dies so weiter geht, dann wird dies in der laufenden Saison wohl noch zu der ein oder anderen Überraschung führen. Wie zu vernehmen ist haben die Rennvereine gerade für das Geschäftsjahr 2007 massive Finanzierungsengpässe, so hat Hoppegarten schon mehrere Renntage frühzeitig absagen müssen, weitere Absagen in ganz Deutschland sind demnach zu befürchten.
 

Es fehlt an den Vorgaben und Visionen für das laufende Rennjahr, aber wie sollten von den Verantwortlichen Zahlen und Zielgrößen für das Rennjahr 2007 vorgegeben werden, wenn es noch nicht einmal für die abgelaufene Sandbahn-Saison 2006/07 Zahlen im Vorfeld gegeben hat, man wäre dann seitens der Planungsverantwortlichen ja Gefahr gelaufen dass ihre Planungen hätte verifiziert werden können.

Nur wenn schnellstens harte Fakten und Zahlen jetzt zu Beginn der Saison 2007 genannt werden, kann der vorherrschende Eindruck von der weiteren rasenden, ungebremsten Talfahrt des deutschen Rennsportes entgegen gewirkt werden.

So fehlen von den beteiligten Protagonisten im deutschen Rennsport jegliche Stellungnahmen ob und wie die abgeschlossene Sandbahnsaison 2006/07, die wohl wenigen in sie gesetzten Ziele und Vorgaben erreicht hat, gar ob die selbst gesetzten Planungsparameter erreicht oder doch verfehlt wurden. Die kurzfristige Absage von Renntagen im Dezember 2006 kam damals so überraschend, dass die Auswirkungen für das Gesamtergebnis wohl von entscheidender Bedeutung für die gesamte Sandbahnsaison waren, aber dies alles ist mangels Zahlen reine Spekulation.

Fragen die gestellt werden, und die für die laufende Saison Hilfestellung geben könnten sind:

  • Welche Gründe und Rahmenbedingungen haben die Sandbahn-Ergebnisse 2006/07 letztendlich beeinflusst?
  • Welche Ziele der Besitzervereinigung für die Sandbahnsaison 2005/06 sind erreicht worden?
  • Welche Ziele hat das Direktorium für Vollblutzucht und Rennen in der abgeschlossenen Sandbahn-Saison erreicht?
  • Wird es für die kommende grüne Saison strukturelle Probleme bei der Anzahl der Pferde im Training geben?
  • Hat sich die Anzahl der Pferdehalter im Vergleich zu den Vorjahren nochmals verschlechtert?
  • Gibt es eventuell in irgendeinem Bereich im deutschen Galopprennsport positive Entwicklungen?

Fragen die beliebig ergänzt werden könnten, aber durch die fehlende, unzureichende Kommunikationspolitik, nicht erst seit Beginn der letzten Sandbahn-Saison ist es natürlich schwer die neue Saison auf Basis von aktuellen Zahlen und Fakten entscheidend zu beeinflussen, es ist weiterhin der scheinbar so beleibte Blindflug die vorherrschende Maxime. Augen zu und durch.

Jürgen Richard Langrock 18. März 2007

07.09.2006 08:30

Der internationale Club Baden-Baden will durch Gründung eines Förderkreis die Finanzierung sichern und beschreitet damit neue Wege im deutschen Galopprennsport. Als Vorreiter in der Umstrukturierung der notwendigen Finanzströme geht der Club mit gutem Bespiel voran.

31.08.06 08:40 Uhr

bemerkenswert ist der umstand, daß immer wieder die abwanderung der wetter zu internetplattformen kritisiert wird und die damit begleitende massnahme, diesem treiben - z.B. durch verbote - einhalt zu gebieten. ich halte dies zwar für machbar, z.b: Italien hat ein Verbot erlassen und diese Internetseiten gesperrt - halte es aber für viel sinnvoller mit marktbezogenen instrumenten zu agieren, indem man einfach ein besseres angebot offeriert. meines wissens besitzt die mannschaft um P.v. Schubert ein internetwettportal. zwar sollte dies ursprünglich zur vermarktung von sportwetten dienen...dies ist ja bekanntlich gestoppt. also wäre es aus meiner sicht sinnvoll dieses wettportal dem sport zu verfügung zu stellen, um damit eine sofortmassnahme herbeizuführen.

keine frage , es wurde zeit, dass eine umstrukturierung her musste. die gezeigten schaubilder und konstruktionsdarstellungen waren sicher beeindruckend. ich selbst weiss, was dies für eine arbeit ist, angefangen von einer vision über die darstellung soetwas zu machen. soweit zur theorie! sorry, aber ich sehe weit und breit keinen praktiker, der die geistigen ergüsse in die tat umsetzen kann. denn in der praxis sind weder rhetorische überlegenheit, noch graphische fähigkeiten gefragt, sondern praktische durchsetzungsvermögen. dies soll ein GF tuen, der derzeit gesucht wird. liesst man sich allerdings das leistungs- und anforderungsprofil durch, schwirren bei mir sofort zahlen durch den kopf, die sowohl das substantiv, also auch das verb betreffen. ich schätze mal die dotierung für eine solche position auf ca 180.000 bis 240.000 € p.a.

und da sind wir schon beim thema! woher soll dieses salär aufgebracht werden? in die KGaA wurde bisher in form von investorengelder nix eingezahlt. ich vermute sogar, dass es sich bei den investoren um hochkarätige mitglieder der BV handelt. dies ist nicht nur lobenswert, sondern sehr beachtlich. den besagten herren ist es ja unbenommen, was diese mit ihrem geld machen. ich wage allerdings zu bezweifeln, dass dieses zur kasse bitten von allen mitgliedern hingenommen und akzeptiert wird. für den fall, dass ich mich täusche und es sich tatsächlich um gewünsche andere investoren handeln sollte, wäre sicher wissenswert, wieviel BM sich da einkaufen. nur so ist dieses stillhalten auf die spässchen der BM wenn es um die vermittlung in den tot geht zu erklären. es wird immer wieder auf die auslaufenden verträge mit den BM in 2007 hingewiesen. ok, alles schön und gut. aber haben wir nicht schon mal deswegen prozessiert? stellte sich dabei nicht heraus, dass es an anderen beispielträgern scheiterte, denen auch die wohltaten des sports wie bilder etc zu gleichen, also entsprechend hoch angesetzten preisen angeboten werden mussten. hat man solche abnehmer bereits gefunden? ich halte dies für sehr wichtig. denn nur die auslaufenden verträge können nicht die lösung darstellen.

Michael Blau
www.bigblueinfo.de

Nach zwei von sechs Renntagen scheint sich die Umsatzgeschichte aus Hamburg 2006 zu wiederholen.

Waren es noch am ersten Meetingstag nur 6% weniger Umsatz als vor Jahresfrist, wobei sich der Umsatz pro Starter sehr positiv um 1.092,41 € in diesem Jahr gegenüber Jahresfrist verbessert hat, sind 2006 aber am ersten Tag 18 Startern weniger (minus 17%) zu verkraften gewesen.

Am heutigen zweiten Tag des Meetings war die Starterzahl um 13% geringer als im Vorjahr.

Der Umsatz hat sich um 22% nach unten bewegt.

Im Vorjahr sind 1.155.627,50 € bei 10 Rennen durch die Kassen geflossen, im Schnitt
also 115.562,75 € pro Rennen.

In diesem Jahr nur noch 905.567 € ein Minus von 22% in absoluten Zahlen. Berücksichtigt man das eine Rennen weniger 2006 beträgt das Minus bereinigt 13%.

Der Umsatz pro Pferd ist heute gegenüber dem Vorjahr um 1.154,77 € gesunken.

Umsatzprognose für das Meeting der grossen Woche 2006 beläuft 5.740.000 € gegenüber dem Umsatz von 6.722.379,82 € in 2005.

Knapp ein M I L L I O N E N weniger als 2005.

Hier brechen schwere Zeiten für den Meetingsveranstalter Internationaler Club an.

So 27.08.2006 Jürgen Langrock 19:40

Mi 23.08.2006 19:19

Der Rennsport muss sich selbst vermarkten. Im Internet muss German Tote weiter ausgebaut werden. (Bildübertragung per Internet, Formen per Internet).

Die Rennvereine müssen in Konkurrenz zu den Buchmachern treten. Frankreich hat keine Buchmacher aber dafür 8 Milliarden Umsatz im Jahr im Toto.

Züchterprämien lassen Sie es so wie es ist, erhöhen Sie die Prozente auf 22 % für gute GAG`s und senken Sie die Prämie bei GAG`s von 65 kg abwärts.

Wie, wer, wo, züchtet ist Sache des Züchters. 

Wir müssen darauf achten, dass wir möglichst unser Produkt alleine vermarkten ,-Bildrechte.-, eine Zusammenarbeit mit der PMU ist sicher auch im Interesse der Franzosen.

Wenn es den Rennvereinen in X Jahren besser geht können wir auch an Besitzerprämien für alle Rennen denken. Zunächst müssen mit den höheren Erträgen der Rennvereine, die Rennpreise nach oben, damit die Trainer ihre Mitarbeiter anständig bezahlen können.

Sie sehen, wie wichtig es ist, dass auf den Rennbahntoto die Umsätze kommen und nicht zu den Buchmachern oder sonstigen Parasiten des Rennsportes.

Weiter so,

mit freundlichen Grüßen

Ihr Fritz Rühl 

Schneller simultaner Strukturwandel in fast allen Bereichen des Galopprennsports unbestritten– aber die konstruktive Diskussion zwischen den beteiligten Verbänden und deren Mitgliedern über die individuellen Ziele, Strategien und Wege zum Ziel fehlt noch!

Inhaltsverzeichnis

Einleitung
Beschreibung des aktuellen Zustands
Vergleich mit dem Ausland
Standort Deutschland
Notwendiger Strukturwandel in allen Bereichen:
Rennvereine
  
Abgestimmte Rennausschreibungen
   Vermarktung
   Finanzierung
Verbandsstruktur
 
Neuorganisation des Wettgeschäfts
   Vermarktung der Marke Galopprennen
Renn- und Zuchttechnische Koordination
     Finanzierung
     Abbau von Subventionstöpfen
     Zuchtfonds
Sicherung der Arbeitsplätze
Aussichten
Schluss
 

Einleitung

Die Notwendigkeit eines Strukturwandels in den Organisationsstrukturen des deutschen Galopprennsports ist mittlerweile geklärt, aber eine konstruktive Diskussion zwischen den Beteiligten Verbänden und deren Mitgliedern, also den Trägern des gesamten Sports, hat es immer noch nicht gegeben.

Im Juni 2006 wurde im Vorfeld der turnusmäßigen Vorstandsitzung ein 20 Punkte Fragenkatalog zum Thema Strukturwandel an den Vorstand des Direktoriums für Vollblutzucht und Rennen (DVR), dem Dachverband des deutschen Galopprennsports, vom Verband deutschen Besitzertrainer, einem aktiven Mitgliedsverband innerhalb des DVR, schriftlich gestellt. Bis zum heutigen Tage sind nur einzelne Aspekte beantwortet worden. Die Antworten lassen vieles offen. Der Verband der deutschen Besitzertrainer sowie der deutsche Amateurrennreiterverband sind zwar Mitgliedsverbände des DVR, sind aber von der Vorstandsarbeit per Satzung ausgeschlossen. Anträge einer Änderung diesbezüglich sind in den letzten Jahren von den Betroffenen mehrfach gestellt worden, jedoch mit dem Hinweis auf die kommenden zu erwartenden Änderungen abgeblockt worden, so dass es dazu kommt, dass über 400 Trainer mit einer so genannten Besitzertrainerlizenz und etwa 130 Amateurrennreiter durch ihre Verbände nicht zeitnah beteiligt werden können.

Wie soll es zu einer Meinungsbildung und aktiven Mitarbeit kommen, wenn hinter verschlossenen Türen und unter Ausschluss eines Großteils der Beteiligten an einem extern und kostenpflichtig zu erstellenden Strukturkonzept gearbeitet wird. In der Öffentlichkeit wird von beteiligter Seite sogar der Eindruck erweckt, dass über die Rahmen- und Eckpunkte der Strukturreform bereits seit Dezember 2005 Einvernehmen zwischen den Mitgliedsverbänden innerhalb des DVR herrscht.

In der letzten Vorstandsitzung des DVR wurde der Tagesordnungspunkt “Vorstellung der Ergebnisse der Strukturkommission” vertagt, da das beauftragte Unternehmen noch keine präsentablen Ergebnisse vorstellen konnte, da bis zu diesem Tag die Finanzierung und somit die aktive Arbeit an dem Konzept ja auch noch gar nicht beschlossen war.

Beschreibung des aktuellen Zustands

Auf der Suche nach den Gründen, warum es dem Galopprennsport in Deutschland so schlecht geht, fallen immer wieder die gleichen Stichworte:

  • Einbruch der Totalisatorwette, dadurch Einbrüche bei den Rennvereinen in der Finanzierung des Sports.
  • Verlagerung der Wettvermittlung durch die Buchmacher in Steuerparadiese, dadurch Wettbewerbsvorteile für die Vermittler durch geringere Kosten und höhere Erträge.
  • Fehlende landesweite Vermarktung der Marke Galopprennsport.
  • Fehlende Bereitschaft der Rennvereine zur Zusammenarbeit.
  • Fehlende Antwort auf die erfolgreichen Angebote der Buchmacher und Wettvermittler mit dem Ziel im Wettgeschäft Umsatzanteile zurück zu gewinnen bzw. den Umsatzeinbruch zu stoppen.
  • Falsche, schwerfällige Organisationsstrukturen auf Seiten der veranstaltenden Rennvereine.

Und die Folgen dieser Entwicklung sind drastisch an den Zahlen, die das DVR im Rahmen seines Jahresberichtes veröffentlicht, nach zu vollziehen. Die Zahl der Besitzer hat sich innerhalb von 10 Jahren um fast 40% reduziert, die Pferde im Training sind um fast 30% zurückgegangen, die Anzahl der Rennen hat sich ebenfalls um 40% reduziert, das Rennpreisvolumen ist zwischen 1995- und 2005 um 30% zurückgegangen. Das heute noch so viele Pferde in Deutschland trainiert werden, liegt an der überdurchschnittlichen Anzahl an Blacktyp- und Internationalen Vergleichsrennen im Verhältnis zu der Gesamtzahl der Rennen.

Mit einer Quote von fast 7% werden fast dreimal so viele Rennen der gehobenen Kategorie ausgetragen als irgendwo anders in Westeuropa, wenn nicht sogar im weltweiten Vergleich. Deutschland ist hier Spitzenreiter, weil der tragende Unterbau, die Basisrennen massiv weggebrochen sind.

Die Unterhaltskosten für Pferde, die in Deutschland im Training sind, verhalten sich bereits umgekehrt proportional zu den Gestehungskosten der so trainierten Pferde. Die Schere klafft für die Aktiven immer weiter auseinander. Weder mittelfristig noch langfristig wird es weiter möglich sein, dass der Galopprennsport, wie im Moment, zu einem beträchtlichen Teil auf dem Rücken der Arbeitnehmer betrieben wird. Kurzfristig wurde dies in den letzten Jahren aus der Not heraus so versucht und praktiziert, aber der Krug geht nur so lange zum Brunnen bis er bricht.

Vergleich mit dem Ausland  

Der Blick über die Grenzen zeigt ein sehr differenziertes Bild. In England haben sich die am Galopprennsport Beteiligten wie Buchmacher, Wettvermittler und Rennvereine auf ein Finanzierungsmodell geeinigt, dass dem Sport die notwendigen Mittel sichert. Irland hat es Mitte der 90er Jahre mit staatlicher Unterstützung geschafft seine Vollblutindustrie für den Wettbewerb fit zu machen. In Frankreich gibt es ein Wettmonopol und die Umsätze bewegen sich in Regionen, die für den deutschen Rennsport nie zu erreichen sein werden. In Italien wird auch durch intensive staatliche Unterstützung der Sport gestützt. Die Trainingsentgelte und Gewinnsummen sind in England, Irland, Frankreich und Italien im Vergleich zu Deutschland wesentlich höher. Dem vereinfachten Zugang zu den internationalen Galopprennen in diesen Ländern ist es zu verdanken, dass in den deutschen Trainingsquartieren noch so viele Rennpferde stehen, dass der Exodus nicht noch weiter fortgeschritten ist. Hier sind die Mechanismen der weltweiten Arbeitsteilung deutlich zu studieren. Im Billiglohnland Deutschland, und das ist Deutschland auf diesem Gebiet sicherlich, werden die Pferde vorbereitet, um sie dann im Ausland an den Ablauf zu bringen. Die erhöhten Transportkosten fallen für den Besitzer kaum ins Gewicht, werden sogar durch die niedrigen deutschen Trainingskosten mehr als kompensiert.

Standort Deutschland  

Der Standort Deutschland hat aber nicht nur Nachteile im internationalen Vergleich. Die stille, schleichende Inflation an Black-Typ-Rennen führt dazu, dass auf internationalen Auktionen und Märkten das „deutsche“ Rennpferd verstärkt angeboten und auch nachgefragt wird. Die Gesamtzahl der Rennen ist in den letzten 10 Jahren um fast 40% zurückgegangen, jedoch ist die Zahl der Black-Typ-Rennen fast konstant geblieben. Dieser für die internationale Zuchtwertschätzung wichtige Faktor wird exemplarisch von den außerordentlichen züchterischen Erfolgen der Gestüte Ammerland und Schlenderhan im Rennjahr 2005 belegt. Bei genauerem Hinsehen ist der deutsche Faktor in den genannten zwei Fällen eigentlich in der züchterischen Disposition und der Bereitschaft zum Zukauf ausländischer Mutterstuten zu sehen, denn sowohl die Mutter von Hurricane Run als auch von Shirocco haben englisch-amerikanische Wurzeln und befinden sich erst seit 1 bzw. 2 Pferdegeneration in Besitz eines deutschen Züchters und in Deutschland, in beiden Fällen somit von einer bodenständigen deutschen Zucht zu sprechen erscheint ein wenig verwegen. Der psychologische Effekt ist aber unbestritten, denn nichts ist so erfolgreich wie der Erfolg. Der Glanz strahlt halt auf die gesamte Population.

Notwendiger Strukturwandel in allen Bereichen 

Den größten Schritt nach vorne haben in diesem Jahr die aktiven Trainer und Jockeys mit ihrer Gewinnabtretung von 5% zugunsten des neu geschaffenen Strukturfonds gewagt, keine andere Gruppierung im Galopprennsport hat in gleicher Weise eine solche überdurchschnittliche Bereitschaft gezeigt. Es ist offensichtlich, dass die Aktiven ein vitales Interesse an einem Fortbestand ihrer Unternehmen und den damit verbundenen Arbeitsplätzen haben und dies vor dem Hintergrund, dass die Verdienstmöglichkeiten sich im deutschen Galopprennsport in den letzten 7 Jahren gerade im westeuropäischen Vergleich äußerst schlecht entwickelt haben, so wiegt der Verzicht umso schwerer.

Die Belastungs- und Schmerzgrenze für die Aktiven ist nunmehr für eine lange Zeit erreicht. Kosten können nicht mehr eingespart werden, noch mehr an den Personalkosten im Trainingsbereich zu sparen, verbittet der gesunde Menschenverstand. Wer Leistung erzielen will, kann dies nur durch motivierte Arbeitskräfte erreichen, ansonsten wird genau das Gegenteil erreicht.

Rennvereine  

In den letzten Jahren ist es zu dramatischen Verwerfungen im Bereich der Finanzierung der Rennpreise durch die Rennvereine gekommen, da letztendlich immer weniger Basisrennen für die Fixkostenrechnung, immer mehr Black-Typ-Rennen mit tragen mussten. Hier muss entweder ein Abschmelzen der besseren Rennen wieder zu einem gesunden Nebeneinander führen, oder aber, und dass scheint der sinnvollere Weg zu sein, für diese Art der Rennen müssen komplett neue Finanzierungsmodelle entwickelt werden.

    Abgestimmte Rennausschreibungen  

Ziel der Strukturreform für den Bereich Training ist es, dass dieser Bereich unter kaufmännisch, wirtschaftlichen Gesichtpunkten langfristig gesichert ist. Für den in Deutschland trainierten Vollblutbestand muss eine angemessene Zahl an Leistungsprüfungen auch tatsächlich über das Jahr verteilt durchgeführt werden, so dass in den einzelnen Leistungsklassen eine der den startenden Pferde adäquate Anzahl von Rennen gegenüber stehen. Dabei ist zu berücksichtigen, dass in den unteren Leistungsklassen die Deckungsbeiträge aus den Wettumsätzen für einen Rennverein i.d.R. beträchtlich höher sind, als dies in den Rennen der obersten Kategorien bis zum Agl. I der Fall ist. Die Finanzierung dieser Rennen muss deshalb zwingend aus anderen Geldmitteln und Quellen erfolgen als die der Basisrennen. Die Finanzierung der unterschiedlichen Kategorien muss für die aktiv Beteiligten transparent und nachvollziehbar sein. Es ist daran zu denken, dass durch finanzielle Anreize für Aktive und Besitzer die einzelnen Leistungsprüfungen in ihrer jeweiligen Kategorie für den veranstaltenden Rennverein ohne Verlust zu organisieren sind.

    Vermarktung  

Einer der kritischen Punkte bei der Neuausrichtung wird die regionale und vor allem überregionale Vermarktung des Rennsports sein. Der Gesamterfolg ist deshalb eng verbunden mit zu etablierender Vermarktungsstruktur, es kommt auf die Flexibilität und Schlagfertigkeit der Vermarktung an. Eine zentralistische Vermarktungsorganisation kann zwar die Groß-Ereignisse vermarkten, wird aber an der Vermarktung der Basis-Rennen scheitern, weil der regionale Akquisitionsaufwand die zu erzielenden Erträgen auffressen wird. Die Verwurzelung der Rennvereine in der Region ist ein Garant dafür, dass Sponsorship für Basis-Rennen erfolgreich ist. Dies bedeutet, dass regionale Strukturen, sprich die Rennvereine, weiterhin für die Akquisition vor Ort zuständig sein müssen. Eine solche Zweigleisigkeit birgt aber auch nicht unbeträchtliche Gefahren und Reibungsverluste, die die besten Ansätze zum Scheitern bringen können.

    Finanzierung  

Es gilt die Vorstände der Rennvereine davon zu überzeugen, dass eine Abgabe von Kompetenzen und Verantwortlichkeiten im Bereich der Vermarktung sich für den Verein im Einzelnen positiv auswirken wird. Es muss in Betracht gezogen werden, dass die Vereine aufgrund ihrer vertraglichen Verpflichtungen kaum oder im extremen Fall gar nicht in der Lage sein werden, diese Kompetenzen ohne massive finanzielle Kompensation abzugeben. Zwei so unterschiedliche Organisationsstrukturen verzahnt, erfolgreich in eine Richtung marschieren zu lassen wird hoch interessant.

Unter Federführung der Rennvereine wird die Aufgabe bei der Vermarktung der Basisrennen sein, die Auslastung der Rennbahnen und des Trainingsbetriebes sicher zu stellen, denn durch eine hohe Anzahl von Pferden im Training und im Rennen verteilen sich die Fixkosten des Rennbetriebes entsprechend.

Der Unterhalt der Infrastruktur, die die Rennvereine vorrätig halten für die Abhaltung von Renntagen, muss in der rennfreien Zeit so genutzt werden, dass das Areal und die Gebäude ihre Kosten wieder hereinspielen, durch Zweit- und Drittnutzung.

Verbandsstruktur  

Das DVR als rennsportliche Aufsicht kann nicht aufgelöst werden, denn dann würde die staatliche Unterstützung in Form der Rückerstattung der Rennwett- und Lotteriesteuer komplett entfallen und der wichtigste Refinanzierungsposten würde ersatzlos wegfallen. Eine rasche Änderung des entsprechenden Gesetzes in den nächsten Jahren ist eher unwahrscheinlich, denn die ersten Änderungsvorschläge lagen bereits 2001 auf dem Tisch und sind bis heute nicht umgesetzt worden. Im Rahmen der Sportwettendiskussion ist eher damit zu rechnen, dass es in Zukunft konzessionierte private Wettanbieter geben wird, an deren Erträgen der Staat erheblich partizipieren wird. Deshalb ist es wichtig den historischen Status des Galopprennsports als Leistungsprüfungen für die Pferdezucht beizubehalten, denn mit den zu erwartenden Abzügen im privaten Sportwettenbereich wird ein wirtschaftlicher Betrieb von Rennsportveranstaltungen im Basis-Bereich nicht zu realisieren ein.

    Neuorganisation des Wettgeschäfts  

Die Kosten und die Organisation des Wettgeschäfts müssen auf den Prüfstand, alle heute beteiligten Marktteilnehmer müssen an einem Tisch sich über eine für alle faire Verteilung der Kosten einigen. Ein gleichberechtigter und fairer Wettbewerb muss das Ziel sein.

    Vermarktung der Marke Galopprennen    

Die Schaffung einer eigenständigen Marke ist nicht von heute auf Morgen zu realisieren. Es gibt aber eine fast 200 jährige Tradition, die es erleichtern kann ein neues Image aufzubauen. So hatten die Leistungsprüfungen der obersten Kategorie immer einen beträchtlich höheren sportlichen Stellenwert als ein Basisrennen, und sollten für eine entsprechende mediale Aufmerksamkeit sorgen können.

Renn- und Zuchttechnische Koordination  

    Finanzierung  

Nur eine gesunde Mischung zwischen Black-Typ- und Basisrennen und eine entsprechende Kostendeckung bzw. Verteilung sichert den notwendigen Strukturwandel im Rennsport.

Denkbar wäre eine geringere Grunddotierung als heute, gekoppelt mit prozentualen Einnahmen aus der Sponsorship und den Erträgen aus den jeweiligen Wettumsätzen der jeweiligen Rennen. Dies ergibt dann die tatsächlich auszuzahlende Dotierung, eine Grunddotierung mit einem variablen Anteil. Ein solches Verfahren und eine Transparenz in Bezug auf Mittelherkunft und –verwendung können gewährleisten, dass der Rennsport in Zukunft solide finanziert wird.

    Abbau von Subventionstöpfen  

Alle Subventionstöpfe für Rennvereine zum Zwecke der Abhaltung von Rennen werden im Rahmen der Neustrukturierung ersatzlos gestrichen, denn sie dienen nicht der Transparenz und werden aufgrund der klaren Finanzierung nicht mehr benötigt. Ausnahme ist einzig der Zuchtfonds, der die Züchterprämie verwaltet.

    Zuchtfonds    

Ein renommierter international tätiger deutscher Züchter hat bereits vor einigen Wochen in einem Interview davon gesprochen, dass die deutsche Vollblutzucht der Zenit aus seiner Sicht bereits überschritten habe. Es gilt also die Anreize für eine erfolgreiche Vollblutzucht in Deutschland neu zu formulieren, dazu gehört eben eine breite Basis, denn nur aus der breiten Basis kann sich Qualität entwickeln, denn als Zuchtkonzept eignet sich das „Pinhooking“ nicht wirklich, denn Zucht ist immer eine über mehre Generationen zu betreibende Selektion.

Unter Berücksichtigung dieser Analyse sind die Exporterfolge der deutschen Zucht zu betrachten. Auf der Importseite ist die Sachlage aber differenzierter zu sehen, es besteht die Gefahr, dass mittelfristig die Qualität der deutschen Mutterstutenherde durch die hohe Anzahl an Exporten bereits gelitten hat. Es gilt hier schnell Anreize zu schaffen, die den Import von Mutterstuten durch den Züchterprämienfonds belohnen, in dem z.B. eine Bonuszahlung an die Top 10 Züchter gezahlt wird, deren Importstuten die besten Inländerprodukt des ersten Importjahrganges stellen. Die Züchterprämie sollte so umgestaltet werden, dass nicht pauschal ausschließlich quantitativ gestaffelt entlohnt wird, wie es heute der Fall ist, sondern vermehrt qualitative Zuchtziele in den Vordergrund gestellt werden. So könnten den Züchtern des besten Sprinter, Meiler oder Steher ein Bonus gezahlt werden, die besten Nachwuchszüchter erhalten einen Bonus. Die Möglichkeiten sind vielfältig und würden der Verbesserung der deutschen Zucht direkt zu gute kommen.

Eine Verteilung der Züchterprämie nach dem Alter der Pferde und eine eventuelle weitere Spreizung zwischen hohen Prozentpunkten für junge und niedrigen für alte Pferde ist kaum ein Anreiz für einen Züchter. Mehr Wettbewerb auch in diesem Bereich ist wünschenswert. So könnte man den Anspruch auf Züchterprämie an den ersten Sieg koppeln, oder in den großen Rennen die nicht mehr zeitgemäße Besitzerprämie direkt in Rennpreise oder Züchterprämien aufteilen. Die Züchterprämie darf nicht nur für die Aufrechterhaltung / Fortsetzung einer laufenden Zuchtaktivität gezahlt werden, sondern soll tatsächlich für den Erfolg eines lebenden Zuchtpferdes gezahlt werden, unabhängig ob der Züchter noch aktiv ist oder nicht. Sollte der ehemalige Züchter die jeweilige Mutterstute verkauft haben, so könnte der Prämienanspruch auf den neuen Halter der Stute übertragen werden, dies würde den Wert von Mutterstuten erhöhen.

Es wäre denkbar, dass die Züchterprämie unter bestimmten Voraussetzungen nicht direkt an einen Rennpreis gekoppelt ist, sondern an ein Gesamtergebnis: z. B. an die 50 % besten Pferde eines Jahrgangs und dann nach GAG- oder GAG-Reihenfolge (Plätze 1-10, 11-20, 21-50, 51-100 etc.), dieses Prinzip könnte man auch auf die Erfolge von Mutterstuten übertragen (und evtl. nach Import- und heimischen Stuten differenzieren, wenn gewünscht, weil züchterisch sinnvoll).

 

Bei den ganzen Verteilungsregeln ist natürlich zu prüfen, über welche Finanzmasse man tatsächlich verfügen kann und ob eine Differenzierung auch verwaltungstechnisch realisierbar ist.

Sicherung der Arbeitsplätze    

Wenn es darüber hinaus in Zukunft gelingt mit einer genügend großen Anzahl an kostendeckenden Basisrennen, die in den letzten Jahren verlorenen Besitzer wieder zu reaktivieren vermag der Rennsport sich im unteren Segment selbst zu finanzieren. Diese Art der Selbstfinanzierung sichert Arbeitsplätze im Trainingsbereich und natürlich den Bestand der einzelnen Rennbahnen.

Aussichten    

Es muss das erste wichtige Teilziel der Strukturreform sein, die heute originären Finanzierungsquellen der Rennvereine zu stabilisieren und den seit Jahren fortwährenden Umsatzabsturz zu stoppen, erst dann kann ein Umbau des System realisiert werden. Es gilt neue Quellen der Finanzierung zu erschließen. Die Fokussierung der Rennvereine in der Vergangenheit auf den Wettumsatz muss abgelöst werden, durch eine solide Drei-Säulen-Finanzierung:

 

Erträge
aus dem
Wettgeschäft

Mediale Vermarktung
Sponsoring

Vermarktung der
Gesamtanlage,
Hospitality

 

             dem steht die Mittelverwendung gegenüber:

 

Finanzierung
des
Basisrennsports

Finanzierung
der
Black-Typ-Rennen

Deckung der Fixkosten
in der
rennfreien Zeit

Deckung
der
Fixkosten des Rennbetriebs

 

Deckung der Kosten des Trainingsbetriebs

Investitionen in die Marke Galopprennsport
PR und Werbung

 

 

Finanzierung
des
Züchterprämienfonds

 

Finanzierung der Rennsportverwaltung

 

 
Schluss  

In einer offenen und ehrlichen Diskussion im Prozess der Selbstfindung werden alle Beteiligten dran interessiert sein, die selbst aktiv beeinflussbaren Parameter entsprechend zu steuern, dies kommt dem gesamten Sport zu gute. Es gilt eine konstruktive Diskussion über die verschiedenen Aspekte zu führen, ohne einzelne Auszugrenzen oder gegen diese vor vollendete Tatsachen zu stellen.